Krautheim-Neunstetten als gelungenes Beispiel für die erfolgreiche Umsetzung einer Dorfflurneuordnung

26. Mai 2026Allgemein

Veranstaltungsreihe „In der Mitte liegt die Kraft – vereint für Innenentwicklung“ macht Station in Krautheim-Neunstetten

Die LEADER Aktionsgruppen Hohenlohe-Tauber, Jagstregion, Limesregion Hohenlohe-Heilbronn und Schwäbischer Wald nehmen sich im Rahmen der gebietsübergreifenden Zusammenarbeit in diesem Jahr dem Thema „Innenentwicklung“ an. Im Zeitraum April bis Oktober findet jeweils eine Veranstaltung in einer anderen LEADER Region statt. Den Anfang machte die LEADER Aktionsgruppe Limesregion Hohenlohe-Heilbronn mit einem Ortsspaziergang durch Hardthausen-Gochsen. Jetzt folgte die Veranstaltung im Aktionsgebiet Hohenlohe-Tauber mit dem Themenschwerpunkt „Dorfentwicklung durch Dorfneuordnung“ am Beispiel von Krautheim-Neunstetten.

Vorweg zur Erläuterung der Dringlichkeit des Themas „Innenentwicklung“ in den Dörfern des Ländlichen Raums. Die Kombination aus den Folgen des demographischen Wandels, strukturellen und gesellschaftlichen Veränderungen sowie Anpassungsprozessen, Rückzug der Daseinsvorsorge und das aktuell immer noch im Vergleich relativ günstigere Bauen auf der „Grünen Wiese“ können dazu führen, dass die Ortskerne in den Dörfern des Ländlichen Raums zunehmend an Bedeutung verlieren. Mit dem Niedergang von ehemals belebten Gebäuden aus der Landwirtschaft und der Daseinsgrundversorgung entstehen Leerstände. Der Ortskern verliert an Attraktivität und an den Ortsrändern spielt sich das Leben vor allem im Bereich Wohnen ab. In der Wissenschaft spricht man vom sogenannten „Donut-Effekt“. Ein Donut ist ein „ringförmiges, in schwimmendem Fett gebackenes, süßes Hefegebäckstück“. Durch die Ringstruktur entsteht ein visuell ansprechendes Äußeres um eine Mitte gähnender Leere. Der Donut spiegelt – im übertragenen Sinn – die Situation zahlreicher Städte und Dörfer im ländlichen Raum wider: Dort findet oftmals eine Abwertung des Kernbereiches der Siedlungen statt, wodurch sich Leerstände in den Ortsmitten und zu hoher Flächenverbrauch am Ortsrand als Probleme ergeben.

Ein Instrument zur Behebung des „Donut-Effekts“ ist der städtebauliche Grundsatz „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“. Und genau hier setzen die vier LEADER Aktionsgruppen mit ihrem Thema in der Veranstaltungsreihe an, „Innenentwicklung vor Außenentwicklung“.

Und warum nun der Ortsspaziergang durch Krautheim-Neunstetten und wie lässt sich die Brücke zum Thema „Innenentwicklung“ schlagen?

Krautheim-Neunstetten ist von den oben beschriebenen Folgen des dörflichen Strukturwandels im Ländlichen Raum betroffen. Aktuell gibt es noch eine Gaststätte im Ort. Alle anderen Einrichtungen der Daseinsvorsorge und der Grundversorgung mussten in den letzten Jahren aufgeben und ihren Laden schließen. Hinzu kommen im Ortskern schwierige Grundstücksverhältnisse mit teilweise schwierigen Flächenzuschnitten.

Zur Lösung des städtebaulichen Problems im Ortskern von Neunstetten ist die Flurneuordnung des Hohenlohekreises aktiv geworden. Die Flurneuordnung ist ein Dienstleister für den ländlichen Raum. Gemeinsam mit den Bürgerinnen und Bürgern entwickelt und gestaltet die Flurneuordnung den Ländlichen Raum nachhaltig.

Aufgrund der besonderen Ausgangssituation im Ortskern von Neunstetten kam neben der „klassischen“ Flurneuordnung für die Äcker und Wiesen auch das spezielle Verfahren der Dorfflurneuordnung zum Einsatz. Im Jahr 2016 endete dort ein mehrjähriges Flurneuordnungsverfahren, in welchem sowohl der Außenbereich aber auch der Innenbereich von Neunstetten im Fokus der Maßnahmen lag.

Ein Netz von neuen und verbesserten Wegen schafft neue Verbindungen und erfreut Landwirte, Wanderer und sonstige Nutzer. Das neu hergestellte Grabensystem hat sich bei Regenfällen schon mehrfach bewährt: Wo früher das Wasser regelmäßig über die Feldwege in den Ortskern strömte, und Höfe und Keller überflutete, wird es nun über neue Gräben gedrosselt dem Erlenbach zugeführt.

Durch Abbrüche konnte das Wohnumfeld verbessert werden und wurden neue Möglichkeiten eröffnet, Grundstücke im Ortskern zu bebauen. So entstanden neue kleine Baugebiete im Ortskern von Neunstetten. Auch ein rückwärtiger behindertengerechter Zugang zur Kirche konnte realisiert werden.

An dem Ortsspaziergang durch Neunstetten nahmen 16 Personen teil. Geleitet wurde der Ortsspaziergang von Friedrich Küßner, dem Leiter des Flurneuordnungsamtes des Hohenlohekreises. Herr Küßner begleitete das Dorfflurneuordnungsverfahren in Neunstetten in seiner Funktion als Amtsleiter maßgeblich und er ist daher profunder Kenner der städtebaulichen Situation vor Ort mit Geschichten zu den jeweiligen baulichen Maßnahmen.

Begleitet wurde die Gruppe außerdem von der Ortsvorsteherin Bärbel Berberich-Kratzer. Frau Berberich-Kratzer ergänzte die fachlichen Auskünfte von Herrn Küßner mit ihren eigenen Erfahrungen aber auch mit den Erfahrungen der Bürgerinnen und Bürger von Neunstetten. Im Großen und Ganzen wertet die Ortsvorsteherin die innerörtlichen Dorfflurneuordnung in Neunstetten als Erfolg. Es gab allerdings auch geplante Maßnahmen, die bei der Bevölkerung Hoffnung geweckt haben, bis heute aber nicht realisiert werden konnten wie z. B. die neue Ortsdurchfahrt durch Neunstetten.

Der Ortsspaziergang durch Neunstetten hat gezeigt, dass das Thema „Innenentwicklung“ für die Wahrung der Attraktivität der Dörfer im Ländlichen Raum für die Menschen, die dort leben, von großer Bedeutung ist. Ohne Menschen im Dorf kein Leben im Dorf. In Neunstetten packen die Menschen selber an, um ihr Dorf am Leben zu halten. Hierfür gebührt großer Respekt.